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Kalte Wände aus Kindertagen

VON HENRI HAWAS //


Sie sucht nach etwas,

von dem sie selbst nicht weiß, wie es aussieht.

Dass sie nicht erkennen würde, wenn es vor ihr steht.

Doch ist sie überzeugt, es in anderen zu finden.

Also baut sie ein Haus in verschiedenen Herzen.

Besser schnell, als bedacht.

Du fühlst dich an wie zuhause,

du vervollständigst mich, sagt sie in der Nacht,

und meint es auch so.

Sie weiß nicht, wie man lebt,

ohne sich aufzugeben,

wie man liebt, ohne der andere zu werden.

Sie ist verliebt in eine Idee,

nicht in eine Person.

Alleine fühlt sie sich ungewollt - ist obdachlos.

Daher sucht sie auf der Haut vieler,

nur um letztendlich zu realisieren;

Sie wird es nicht finden,

weil das was sie sucht,

ist sie.


Das Haus, das ihr gemacht wurde,

meidet sie.

Nur ungern hält sie sich dort auf.

Abfall stapelt sich an allen Wänden,

versperrt die Sicht ins Freie.

Es ist nicht ihr Müll,

sie hat nie darum gebeten,

er wurde dort abgestellt.

Unbeholfen und klein stand sie daneben,

hielt es für richtig.

Heute übersieht sie es,

wie Kratzer an der rosa Tapete.

Nur dieses Unwohlsein,

das bleibt.


Wie soll sie dort finden,

was sie in anderen Herzen sucht?

Der Geruch in anderen Häusern ist oft so wohlig.

Bei ihr ist nichts von dieser Wärme,

kein Schutz, keine Geborgenheit, kein eigener Raum,

und Teppichboden hat es dort auch nie gegeben.


Zuerst einmal will sie entrümpeln,

ausmisten, was ihr übergeben wurde,

was sie nie gewollt hat.

Sich von alten Sachen zu trennen,

ist oft nicht leicht.

Wozu hat sie es all die Jahre aufbewahrt?

Vielleicht braucht sie es ja nochmal?

Sie wirken doch irgendwie richtig an ihrem Platz.


Hinter all dem Abfall sieht sie den kalten Beton.

Den Anblick kann sie kaum ertragen.

So sehen die Wände aus,

da ist nichts zu machen – außer akzeptieren,

aber das ist schwer.

Lieber würde sie sich auf harmlose Schwächen fokussieren.

Renovieren bedeutet nicht,

dass die Wände verschwinden.

Sie bleiben auch unter neuen Tapeten.

Trotzdem will sie es versuchen,

will sanieren,

hoffen,

dass die Kälte eines Tages verblasst.


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