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Angekommen

VON JONAS MIETH //


In meinem Bett liegt ein Mann, der mir Fragen stellt, auf die ich keine Antworten habe. Deshalb verstecke ich mich im Badezimmer und warte darauf, dass er geht.


Aus meiner misslichen Lage heraus habe ich Zeit, mich im Spiegel anzuschauen. Ein enttäuschendes Unterfangen, denn was ich heute sehe, gefällt mir weniger als an manchen Tagen.


Ich bin ein Mann. Meine Haut ist mehr und mehr mit schwarzen Haaren bedeckt, die ich nicht rasieren werde. Weich.

Meine Haut ist bedeckt mit schwarzen Strichen, so als hätte jemand, der auf mir schreiben wollte, den Stift angesetzt, aber die Worte vergessen. Strich für Strich.


Ich erinnere mich daran, geoutet zu werden. An das Gefühl, als spanne jemand eine neue Schicht über mich, an das Gefühl, dass ich immer noch in mir stecke, an das Gefühl, mich erneut beweisen zu müssen.

Und an die Worte. So als wüssten sie mehr, so als setzten sie zum Schreiben an, um festzuhalten, was sie damals bestätigt bekommen haben.


Das fällt mir in meiner misslichen Lage und bei meinem enttäuschenden Unterfangen ein, und ich wünsche, ich hätte mit dem Mann darüber sprechen können, aber er liegt nur da, er stellt mir nur Fragen, auf die ich keine Antworten habe, und deshalb beschließe ich aus der Wohnung zu gehen. Ich nehme mir Kleider aus der Wäschekiste, die nicht ganz schmutzig, aber immerhin so schmutzig, wie meine Schuldgefühle sind, als ich ohne dem Mann etwas zu sagen oder seine Fragen zu beantworten, die Wohnung verlasse. Er wird hören wie sich die Tür schließt.


Der Boden in dem Eingangsbereich meines Wohnhauses ist schwarz-weiß. Massive Keramikfliesen, die Wände sind grau verputzt. Auf dem Briefkasten neben der Eingangstür steht kein Name, dem ich ein Gesicht zuordnen kann. Das lobt der Mann, der in meinem Bett liegt, so am Stadtleben; dass man sich die Leute, die man kennenlernen will, aussuchen kann. Es ist Abend, bemerke ich, als ich aus dem Haus gehe. Der Mann und ich lagen den ganzen Tag im Bett. Ich wollte, dass wir uns wohl fühlten. Ich wollte, dass er mich aus meiner neuen Schicht rausholt. Wir lagen da, den ganzen Tag über und wir küssten uns, dann schaute er mich lange an und begann Fragen zu stellen, doch statt rausgeholt zu werden, verkroch ich mich noch tiefer in meiner Haut.


Es ist eine gute Idee rauszugehen, denn ich spüre, dass ich beim Laufen wieder in meinem Körper wachse. Schicht für Schicht gehört er mir.

Auf den Straßen sehe ich Menschen, die ich nicht kenne. Innerhaus und außerhalb ist es dasselbe. Ich habe Durst nach Bier und Menschen. Ich will Menschen sehen, die mir ähnlich sind.


In der Bar, in der ich seit meinem Umzug öfter bin, sitzen viele Männer und wenige Frauen. „Ich mag es hier drin. Ihr Schwulen seid so locker und offen“, sagt eine davon. Am Nachbartisch höre ich zwei Mittzwanziger über einen älteren Herrn sprechen. Er hat mehr Hautschichten als die beiden.

Altern bedeutet für die meisten verlieren. Sich selbst und dann die Art wie andere mit einem umgehen. Hier drin hält man dagegen an, man baut auf die Unvergänglichkeit, in der Hoffnung, dass Jungsein und Jungbleiben sich nicht unterscheiden können. Hier drin bleibt aber nichts stehen, es zerrt vielleicht noch ein bisschen stärker nach dem Morgen.

Ich habe immer den Eindruck, dass niemand wirklich bleiben will, dass das Ziel des Herkommens jemanden zu finden ist, mit dem man die Bar wieder verlassen kann. Man kommt, sieht und geht gemeinsam. Heute Abend oder fürs ganze Leben. Der Zweck bestimmt die Zeitdauer, aber man ist sich sicher, man wird etwas finden, das dem Herkommen Wert verleiht. Eine Erwartungshaltung, die niemand abschütteln kann. Verkrampft und daran gebunden, der Erwartungshaltung anderer zu entsprechen, hat „Hier drin“ seine Regeln und Regelmäßigkeiten.


Vielleicht schließe ich da von mir auf die anderen.

Wie ich so da sitze, mich umschaue und zuhöre, was die vielen Männer und die wenigen Frauen zu sagen haben, werde ich wieder unsicher. Ich bin allein, blass und haarig. Ich wollte nur weg von den Fragen, aber an manchen anderen Tagen hoffe ich darauf, dass jemand meine Haut genug mögen wird, um mir die Selbstzweifel zu nehmen. Dann sitze ich an der Theke, im blauen Barlicht. Und um mich? Männer. Ein breites Spektrum an Männern. Aber ihre Vielfalt interessiert mich dann nicht. Mich interessiert, dann ob sie mich attraktiv genug finden. Mich interessiert, wie sie meine Haut finden, und ob einer von ihnen meine Haut berühren will.

Gedämpfte Küsse und mit den Berührungen von einsamen Stellen erwartete ich dann, dass mich einer aus meiner neuen Schicht befreit.


Drei Biere habe ich mittlerweile getrunken. Gesichter ziehen an mir vorbei. An manchen bleibe ich hängen. Eins davon gehört einem großen, rotblonden Jungen, ein anderes, einem kleinen, schwarzhaarigen Mädchen. Das Mädchen bemerkt meinen Blick. Sie bietet mir an, dass ich mich zu ihnen setzte und da bisher nur meine Unsicherheit mit mir gesprochen hat, folge ich dem kleinen, schwarzhaarigen Mädchen, setze ich mich zu ihr und dem großen, rotblonden Jungen. Ich möchte die beiden kennenlernen und bin dankbar, dass es ihnen ähnlich geht. Ich werde den beiden eine Runde Bier ausgeben.

Rabea und Leo heißen sie. Rabea und Leo geben meiner Unsicherheit keinen Raum.


Ich erzähle ihnen davon, wer ich bin, und als ich damit fertig bin, werde ich ihnen davon erzählen, wer ich sein könnte. Bis die Grenzen dazwischen verschwinden, bis sie nichts mehr zu bedeuten haben. Keine Fragen bleiben offen.


Der Mann, den Leo liebt, geht jetzt mit Frauen aus. Rabea und ich bedauern ihn beide und stimmen einander zu, dass er sich einfach in den Falschen verliebt hat, aber Leo antwortet, dass es in Ordnung sei. Leo sagt, er habe mit der Sache abgeschlossen. Er habe den Mut für das Vorankommen gefunden.


In einer Ecke der Bar steht eine kleine Bühne. Vier Männer haben angefangen, darauf zu tanzen. Sie sind alle hübsch oder bemühen sich darum, hübsch auszusehen. Ganz ausgelassen tanzen sie, und das gefällt mir. Die meisten meiner Abende führen nach Hause. Manchmal bewege ich mich aber auch so, als hätte ich nur den Moment zu verlieren. Und wenn er dann verloren ist, dann wünschte ich mir, ich hätte ihn noch mit jemandem geteilt. Alles, was ich verpasst habe.

Leo und Rabea fordern mich zum Tanzen auf. Wir klettern auf die Bühne. Während wir zuerst befangen tanzen, mischen sich zurückhaltende Sympathien für die anderen ein, und unsere Augen versuchen zu sagen, dass wir etwas geschaffen haben, was den Abend überdauern wird. Heute. Wir bewegen uns jetzt akzeptierend dazu, wie sich die anderen bewegen. Keiner versucht sich dem anderen aufzudrängen. Wir werden langsam selbstbewusster.


Ich sage Leo, dass er sehr schön beim Tanzen aussieht. Er gibt mir das Kompliment zurück und umarmt mich. Dann drücke ich Rabea dazu, weil ich seit meinem Umzug noch niemanden so aufrichtig umarmt habe. Wir sind jetzt eine Einheit, denke ich. Einer der Männer legt seine Arme um uns. Wir lassen ihn an der Umarmung teilhaben. Zeigen ihm, dass man sich nur zugehörig fühlen muss, um zugehörig zu sein. Wir glauben kurz selbst daran.


Die Bar ist mittlerweile bis auf den letzten Platz gefüllt. Aus den vielen Männern sind noch mehr geworden. Sie kokettieren mit ihrer Männlich- und Weiblichkeit. Sie genießen das Spiel mit der Strenge. Jeder darf teilnehmen, und keiner der teilnimmt wird verlieren. Die meisten lachen und ein paar von ihnen in ehrlichen Stimmlagen. Ich höre, wie Männer Dinge über Männer sagen, die ich auch gerne sagen würde. Ihre Worte gehen in der Masse unter. Ein Mann, der ehrlich gelacht hat, fasst einem anderen sanft ans Knie. Er küsst ihn, dann legt er seine Hände auf den Hinterkopf des Geküssten und lässt sie nach vorne gleiten. Ich schaue ihnen zu.


Eine Frau flirtet neben mir mit Rabea. Sie spricht langsam, selbstbewusst und bewegt sich grazil, als sei sie sich jedem Fleck ihres tätowierten Körpers bewusst. Die Frau gibt Rabea ihre Nummer und stellt sich dann zurück an die Theke. Ich frage Rabea, ob sie ihr schreiben wird und sie antwortet, sie wisse es nicht. Sie mag eigentlich Männer lieber, aber die Frau hat etwas sehr Gewinnendes, was Rabea gefällt.


Wir suchen vergeblich nach einem Platz zum Sitzen, aber uns werden Ellenbogen in die Rippen gestreckt und wir stehen beim Suchen kurzweilig auf Füßen, die nicht unsere eigenen sind. Männer mit breiten Schultern nehmen den Platz ein, den sie glauben zu brauchen. Ich möchte plötzlich selbst Platz haben. Ich habe das Bedürfnis mich auszubreiten, meine Schultern nach hinten zu strecken, meine Arme breit zu machen. Ich möchte einen Platz zum Stehen haben, damit der Boden unter meinen Füßen mein eigener ist. Rabea, Leo und ich erkämpfen uns eine kleine, menschenleere Nische. Kurz bleiben wir da. „Wir wollen bald gehen“, sagt Rabea zu mir. Ich nicke nur. Beide wirken plötzlich größer, näher.


Die Stadt lässt zu, dass man sich manchmal so mächtig fühlt und manchmal so entmachtet. Wir verlassen die Bar und treten auf die Straßen der Stadt. Ich fühle mich kurz so, als würde das alles uns gehören, als seien wir riesig, als bedeuteten wir mehr als jede Straße, jedes Gebäude und jedes Gesicht.


Leo, Rabea und ich laufen durch die Stadt. Wir singen Lieder und zwischen uns flackern Lichter in Blau, Magenta und Rot. Halbtrunken schreien wir kleine Liebeserklärungen. Sie flüchten, wie wir. Alles was wir jetzt sind, ist was wir tun.


Wir laufen an Menschen vorbei, die Erwartungen an sich und die Stadt haben. In ihrem Zentrum verharren wir, und stehen da nun, als zartes Gefüge. Aus dem Gefühl der Gleichwertigkeit entstanden, während um uns die Menschen mit Erwartungen an die Stadt sich genauso groß fühlen wie wir. Was wir verstehen, ist, dass wir Teil von ihnen sind. Wir sind aber noch so jung, wir verzeihen uns, dass wir wie die anderen sind, noch nicht so gut, wie später.


Ich fühle mich weniger zugehörig. Das passiert mir manchmal. Ich schaue Leonan und hoffe, dass es ihm ähnlich geht. Er singt “tiptoe through our shiny city, bluebirds on our shoulders, we’re half awake in a fake empire“ und legt seine Arme über unsere Schultern.


Wir wissen kurz nicht, wohin wir gehen sollen. „Zu mir nach Hause“, sagt Rabea, „wir nehmen die Bahn“.


An vier Stationen fahren wir vorbei, um zu Rabeas Wohnung zu kommen. Ein paar Sitze in der Bahn haben Löcher. Der weiße Kaltschaum quillt heraus, und sprengt die Löcher noch ein bisschen mehr. Der Randalierer muss Spaß daran gehabt haben, die Sitzschicht zu durchbrechen, aber jetzt reißt das Sitzkissen eigenständig weiter auf. Naht für Naht, um irgendwann ganz offengelegt zu sein.


Manchmal stelle ich mir vor, wie ich meine Haut wegkratze wie einen einzigen Wundschorf, dicke Schichten möchte ich abkratzen, aber ich weiß nicht, ob mir das, was ich finden werde, besser gefallen würde. Der herausquellende Kaltschaum verfärbt sich gelb. Manche Schichten brauchen Schutz.


Rabea, Leo und ich setzten uns nebeneinander und schweigen kurz. Der Gleichklang der Bahn übertönt uns, aber in der Spiegelung der Glasscheibe sehen wir nicht unzufrieden aus. In der Spiegelung sehen wir aus, als würden wir uns schon lange kennen.


Ich würde Leo gerne fragen, wie er sich geoutet hat. Ist er glücklich? Die Bahn bringt uns weg, vom Zentrum der Menschen.


„Wir sind Passagiere“, sagt Rabea und deutet auf unsere Spiegelbilder „wir kommen voran, ohne uns zu bewegen.“ Ich betrachte ihre Reflektion in der Glasscheibe und lächele ihr zu, ohne meinen Kopf von ihrem Spiegelbild abzuwenden. Sie ist auch neu in der Stadt. Ihre Augen schauen mir weit offen in der Spiegelung entgegen.


Leo ist in der Stadt geboren, er wohnt mit seinen Eltern etwas außerhalb. „Behütete“, das Wort benutzt er und wendet sich dabei zu mir. Er erzählt mir, dass er erst vor kurzem angefangen hat auszugehen, ohne zu sagen, ob es ihm Spaß macht oder nicht. „Es gehört dazu, dass man irgendwann jeden kennt. „Die Stadt hat nicht viel zu bieten“, erklärt er und wendet sein Gesicht wieder zu unserer Spiegelung.


Ein schöner Junge tritt in unser Abteil und versperrt uns die Aussicht. Er ist blond, seine Arme und Beine sind haarlos. Ich bin neidisch und haarig. Ab und an schielt er zu Leo und ich merke, dass Leo den Jungen attraktiv findet. Er baut seine Brust auf und als der Junge das bemerkt, werden seine Blicke zupackender, penetranter. Ich habe, seit ich ausgehe, gelernt, dass Männer so flirten. Die Männer versuchen dich mit ihren Blicken zu gewinnen, meistens sagt man nur sehr wenig. Aber man denkt viel, und weil es so still ist, denkt man an die Worten, die die Stille füllen könnten.


An der nächsten Haltestelle verlassen wir die Bahn. Leo wirkt beim Aussteigen unzufrieden, das Unbekannte wird ihn locken. Er schaut dem Jungen direkt ins Gesicht und ich frage mich, wie viele Wörter zwischen den beiden stehen. Wir laufen weiter.



Rabea wohnt in einem großen, cremefarbenen Wohnhaus eines gepflegterem Stadtteils. Leo und ich steigen ihr die Treppen nach, bis in den fünften Stock. Wir hören ihr zu, wie sie ihre Tür aufschließt.


Die kleine Wohnung ist quadratisch geschnitten, ein kleiner Flur verbindet Küche und Bad mit dem Schlafzimmer. Eine Wand des Flures ist mit Namen vollgeschrieben, bunte Buchstaben füllen die die weiße Tapete. „Du kannst da auch deinen Namen zu schreiben“, sagt Rabea sanft als sie meinen Blick bemerkt. Ich lese die Namen von Eric Klein, Secil Yildirim, Sarah Vidal und Leonard Lange.


Das Schlafzimmer besteht zur Hälfte aus einem massiven Hybrid aus Sofa und Bett. Laken um Laken werden von einem Holzrahmen gestützt. Der Rest des Raumes ist karg eingerichtet, ein Tisch mit zwei Stühlen, ein gestreifter Teppich, auf dem eine kleine Stereoanlage steht, und eine große Lampe zwischen dem Bett und der Fensterbank.


In der Bar und in der Stadt hatten wir noch eine spürbare Anonymität, hier drin fühlt sich alles intim an.


Drei Bierflaschen stellt Rabea auf der Fensterbank ab und bittet, dass wir uns setzen. Sie reicht jedem eine Flasche, nachdem wir tief in das Meer an Laken versunken sind. Es ist warm und gemütlich, nur die Bierflasche ist kalt, wenn ich daran nippe. Rabea schaltet das Lied ein, das Leo in der Stadt gesungen hat, ich erkenne es an den Liedzeilen. Es ist ein schönes Lied, das von Leben erzählt, die man führt und von solchen, die man gerne führen würde. Ich proste Leo mit meinem Glas zu. Er lächelt kurz, aber ich glaube er vermisst den Mann, den er liebt.


Ich denke an den Mann, der in meinem Bett liegt, an die Fragen, die er mir gestellt hat. Während das Lied ausklingt, fallen mir ein paar Antworten ein.


Alles zerstäubt sich. Ich habe Angst, dass wir keine Einheit mehr sind oder sein werden. Ein neues Lied beginnt zu spielen, Rabea steht auf und streckt uns die Hände entgegen. „Kommt“, sagt sie und fordert uns auf, aufzustehen. Sie öffnet das Fenster und lehnt sich etwas nach draußen.


„Wenn man sich etwas verrenkt, kann man die Skyline sehen“, sagt sie und macht Platz für uns beide. Wir biegen unsere Körper und erkennen die Lichter, die Türme, die Hoffnung. Schwarz und Weiß und Grün. Den dunklen Himmel um die Türme färben die Lichter hellblau. Dazwischen ebenmäßige Glasfronttower und schnelle Lichtpunkte auf den Straßen. Wir beobachten das Treiben und vergessen, dass wir manchmal selbst Getriebene sind.


Wir sind jetzt hier. Ich lege meine Arme um meine Freunde, um mich an ihnen festzuhalten. Wir beginnen uns über glücklichere Dinge zu unterhalten. Rabea zeigt uns den Turm, auf dem sie zum ersten Mal jemanden geküsst hatte und Leo zeigt das Gebäude, in dem er ab und an kellnert. Ich bin ein Teil dieser Stadt geworden. Bald werden die Gebäude auch von meinen Erinnerungen bewohnt sein.


Wir erzählen davon, was wir noch machen werden, wo wir noch hin wollen. Wir sprechen die Hoffnungen aus, wie Versprechen, die wir uns selbst schon lange gegeben haben und hoffen sie dadurch halten zu können.


Dann setzen wir uns wieder auf das Sofa, aber das Fenster bleibt offen. Soll die Stadt doch einströmen, soll sie doch die kleine Wohnung füllen und unsere kleinen Köpfe.

Bis vier Uhr erzählen wir weiter, bis wir nichts mehr zu sagen haben, was Bestand hat. Keine Versprechen mehr, nur noch vage Vermutungen. „Lasst uns schlafen gehen“, sage ich. Während die beiden sich bettfertig machen, nehme ich mir einen schwarzen Stift und schreibe meinen Namen an die Wand in Rabeas Flut. „Ruben Bornemann“. Strich für Strich.


Ich schaue mir meinen Namen noch einmal an und denke daran, dass ich ihn selbstgeschrieben habe. Jede Linie hat jetzt Bestand. Die ersten Wörter, die ich zu schreiben lernte, und danach so viele andere.


Während ich mich zu den anderen lege, fällt mir der Mann wieder ein. Wie wir zusammen lagen. Ich verinnerliche noch ein paar der Antworten. Im Liegen streichele ich mir über meine haarige Haut und fühle mich mehrschichtig.


Ich denke, während ich einschlafe an meinen Namen, und daran, dass ich ihn selbst geschrieben habe, Strich für Strich, und fühle mich so, als würde ich nichts zugesprochen bekommen. Abgesprochen. Ich fühle mich mehrschichtig. Die Lichter der Stadt strahlen in Rabeas Wohnung, wie ein Nachtlicht, das uns behütet.


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