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Bis bald!

VON NINA SCHRÖTER //


"Lass uns doch bald mal wieder spazieren gehen."

Da ist er. Der Satz, den wir uns in Variationen seit mehreren Monaten immer wieder gegenseitig zuwerfen, ähnlich unbeholfen wie die Bälle im Sportunterricht früher. Damals haben wir gemeinsam über unsere Tolpatschigkeit gelacht. Sie hat uns verbunden und unbesiegbar gemacht. Nicht auf dem Spielfeld, Gott bewahre, aber im Leben.


Der nächste Zug liegt an mir, wie ein eingeübter Tanz, die üblichen "schön vor dir zu hörens" und "so viel zu tuns", während auf dem Bildschirm vor mir die nächste Folge einer beliebigen Serie an mir vorbei rauscht.


"Alles Gute zum Geburtstag! Hoffe es geht dir gut!"

Zumindest der zweite Satz ist nicht unwahr. Ich wünsche dir das Beste. Aber wann habe ich aufgehört, den Satz als Frage zu formulieren? Wir haben uns durch Familiendramen, emotionale Katertage und handfeste Lebenskrisen begleitet. Die Szenerie um uns hat sich öfter gewechselt als die Klamotten in einer durchschnittlichen Sex and the City-Folge, wir als einzige Konstanten. In welchem Bühnenwechsel haben wir uns verloren?

"Liebe Grüße aus Italien! Melde mich, wenn ich zurück bin."

Unser letzter gemeinsamer Urlaub hat Barcelona für mich ruiniert. Es war wie ein letzter Rettungsversuch. Paare heiraten oder kriegen Kinder, wenn sie in einer Krise stecken. Freundinnen fahren in den Urlaub. Du hast gehofft, wir würden den Urlaub nutzen, um endlich mal wieder in Ruhe über dich zu sprechen. Ich habe gehofft, wir hätten zu viel zu tun, um überhaupt zu sprechen. Es ist schade um Barcelona. Und ein bisschen auch um uns.


"Happy Birthday! Hoffe du hast einen schönen Tag. Lass uns demnächst mal anstoßen!"

Die Sache ist, ich habe bereits angestoßen. Ohne dich. Das erste Mal. Nachdem du es geschafft hast, dass sich in den letzten Jahren an meinem Geburtstag alles um dich gedreht hat, habe ich in diesem Jahr beschlossen, dass es um mich gehen darf. Und das scheint - nicht nur an Geburtstagen - nur ohne dich zu gehen. War das immer schon so und ich habe es nur nicht gemerkt? Es ist ein bisschen wie mit Sexismus: Ist es dir einmal aufgefallen, siehst du es plötzlich überall.


"Frohes neues Jahr. Ich hab gerade beim aufräumen deinen roten Pulli gefunden. Wenn wir demnächst mal Kaffee trinken, bringe ich ihn dir mit!"

Mein Lieblingspulli. Du hast ihn mr zu Weihnachten geschenkt und ich habe ihn bei dir vergessen, als ich zum letzten Mal für einige Tage bei dir eingezogen bin, weil deine Welt unterging.

Ich weiß nicht, wo wir falsch abgebogen sind. Du warst mein Lieblingsmensch und jetzt bist du diese seltsame Erinnerung, die mir mein Handy regelmäßig in mein Herz spült. Du fehlst mir, wie der Pulli. Aber eigentlich seid ihr beide schon lange nicht mehr da. Lass uns das neue Jahr nicht mit weiteren Lügen starten.

"Behalt den Pulli ruhig. Mach es gut."

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