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Irgendwohin

VON SAMIRA SERVOS //


Ezra schüttete eine weitere Ladung Allzweckreiniger auf das Sofa, während Ari mit einem Stück Küchenrolle über die Flecken rieb. „Fuck“, murmelte sie, als das Reinigungsmittel in den Riss neben ihrem Zeigefingernagel schäumte. Sie verzog nicht das Gesicht: Dem Schmerz nachzugeben, verlängert den Schmerz.

Aber Ezras Züge waren entgleist, als ihre Fingerrücken sich gestreift hatten. Jetzt rubbelte er fester über die Weinflecken. Aufgebracht zog er an der Küchenrolle, immer wenn ein benutztes Stück anfing zu reißen. Über den gerade geputzten Boden, entlang des Sofas und drunter durch, führte ein Fluss aus Allzweckreiniger und eingeweichtem Küchenpapier. Der schmutzige Wischmopp saugte von Neuem Flüssigkeit auf. Auf Ezras Handrücken, unter blassroten Flecken, pulsierten die Sehnen und Ari hatte Mühe, sich seinem Tempo anzupassen. Sie hielt inne und sah zu. Wie er mit den zu kurz geschnittenen Fingernägeln der rechten Hand über den dunklen Fleck im nassen Stoff kratzte. Wie er zeitgleich mit der anderen Hand weiterwischte. Wie Nagelhautsplitter sich ablösten, wie er sie mit den Papierfetzen in den Stoff einrieb. Die tiefen Falten an seinen Fingergelenken sahen wie Einschnitte aus. Ari beobachtete, wie der graue, jetzt beinahe schwarze Stoff des Sofas sich wellte und der Fleck vielleicht etwas blasser wurde, vielleicht nicht. Sie beobachtete – während die schabenden Laute der Fingernägel nicht mehr nur in ihren Ohren kratzten, sondern in ihrem beschwipsten Kopf ein Gefühl auslösten, als würde jemand mit Nadeln über die Innenseite ihrer Augen streifen –, wie Ezras rosarotgefleckte Hände stärker zitterten. Sie zog ihre eigenen zurück. Sie rückte ein Stück von Ezra ab und sah seine Bewegungen sich entschleunigen, während sie ihm die Schulter zuwandte. Aber das Zittern kroch die Arme hoch und nahm den restlichen Körper ein, jede Stelle, über die Aris Blick aus dem Augenwinkel sich jetzt taktvoll tastete.

„Fuck“, sagte Ezra leise. „Hilft nicht Salz oder Rasierschaum oder so? Weißt du, wo du die hingepackt hast?“ „Ist doch egal.“

Ari wollte ihren letzten Abend in der Stadt nicht damit verbringen, einen beschissenen Fleck aus einem Sofa zu reiben, das ihr sauber schon nicht gefallen hatte. Sie biss fester als geplant auf die Innenseite ihrer Wange, während Ezra eine Pause einlegte, um sich den Unterarm rot zu kratzen.

Gerne hätte sie ihn davon abgehalten. Nach seinen Armen gegriffen, nach seinen Händen dann, die sich zu Fäusten ballen, und sie festgehalten, bis die Finger sich endlich nicht mehr bewegen. Oder ihn umarmt.

„Scheiß drauf“, sagte sie stattdessen. „Is nicht so schlimm, Ezra, ich wollte eh bald ein Neues kaufen.“ Doch sein Gesicht entspannte sich nicht. Seine Haselnussaugen schimmerten noch immer und er nuschelte die bald zehnte Entschuldigung. „Ich wollte dir wirklich nicht noch mehr Arbeit machen.“ „Du hast mir geholfen“, sagte Ari und deutete von dem einzigen noch im Raum stehenden Möbel aus auf die kahlen Wände und die mit Inhaltsbeschriftungen, Peanuts-Charakteren, Film- und Songzitaten bekritzelten Kartonberge. Vorsichtig griff sie dann nach ihrem Getränk, das auf dem DVD-Karton mit dem krakeligen ‚I have to return some videotapes‘-Schriftzug stand, den Ezra gerade beendet hatte, als ihm sein Glas aus der Hand gefallen war. Gerade als Ari ihm ein Kompliment für sein verbessertes Hautbild machen wollte oder vielmehr, als sie überlegt hatte, ob ‚weich‘ oder ‚glatt‘ seine Wangen besser beschrieb.

Plötzlich stand Ezra mitten zwischen den Kartons, wie jemand, der nicht weiß, wie er dort hingekommen ist.

Ihm fiel ein, dass er noch etwas zu erledigen hatte. Der Laptop seines Vaters, das habe er ganz vergessen, aber der Monat sei ja jetzt fast rum und er habe seine Bewerbungen noch nicht geschrieben, er habe ihm eben eine Nachricht geschickt und ihm, Ezra, tue es wirklich leid. „Aber wir sehen uns ja morgen nochmal“, sagte er, als er gefühlt die Wohnung schon längst verlassen hatte.


Ari lief mit verschränkten Armen und leisen Schritten durch den Raum, der beinahe drei Jahre lang ihr Zuhause gewesen war. Jetzt wirkte er nicht mehr so winzig, wie er ihr in Erinnerung bleiben würde. Automatisch drehte sie den Kopf im Vorübergehen dorthin, wo vorher der Kleiderschrank mit den Spiegeln an den Türen gestanden hatte, und der Blick auf die Wand, an deren Stelle sie ihr eigenes Gesicht erwartete, erschreckte sie kurz. Sie setzte einen Schritt zurück und hielt vor dem Karton, auf dem die Kleider für morgen bereitlagen. Sie hob die Hotpants hoch, ließ sie wieder sinken und schob den Kleiderstapel auf den nebenstehenden Karton. Jetzt spürte sie den angespannten Blick ihrer Mutter, und wie sie noch vor der Begrüßung ihre Oberschenkel musterte und vergeblich versuchte, nicht den Kopf zu schütteln. Wenn du mehr Sport machen würdest… Mama, du bist der einzige Mensch, der mich jemals darauf angesprochen hat. Alle Frauen, die ich kenne, haben Cellulite, sagte Ari zu sich selbst, während sie die kurze Hose gegen lange Jeans tauschte. Dann zog sie einige Sekunden lang Kreise mit dem Daumen über das schwarze Display ihres Handys und mit der Zunge über ihre verdickte Wangenschleimhaut. Ihre Augen brannten beim Aufleuchten des Bildschirms. Während sie ihr Instagram öffnete, blies sie kleine Blasen aus Spucke. Das hatte sie lang nicht mehr gemacht. Selin sei Dank, die ihr im langweiligen Grundschulunterricht bestimmt eintausendmal auf die Finger geschlagen und sie aus ihrer Geistesabwesenheit zurückgeholt hatte. Jetzt holte sie sie aus ihrer Geistes-Anwesenheit, zog sie in die makellose Welt auf ihrem verifizierten Instagram-Profil. Ari war, als könnte sie wieder das Brennen auf den Fingergliedern spüren, und sie musste lächeln. Ihr Daumen zuckte über dem Herzsymbol unter einem Bild von Selin bei der Schwimmmeisterschaft. Glitt am Schwimmbeckenrand entlang, zuckte über Selins straffen Nektarinenhintern, die Rückenlinie hoch, bis der Bildschirm sich verdunkelte.

Die Luft angehalten und den Daumen auf dem heißen Display, nahm Ari ein Stück Wangenschleimhaut zwischen die Backenzähne und biss langsam zu. Bis der metallische Geschmack ihren Schultern und ihrer Brust erlaubte, sich wieder zu senken.


There is too much blood; too much blood, well alright‘, murmelt eine Männerstimmte der Musik aus dem Radio hinterher, als die vierzehnjährige Ari hinter dem vierzehnjährigen Ezra die Essküche betritt. Eine Stimme so spröde und rissig wie die dazugehörige Handfläche, die Ezras Vater, nachdem er sie an seiner abgetragenen Jeanshose abgewischt hat, Ari zur Begrüßung hinhält. Kurz und fest drückt er zu, bevor er sich wieder, halb summend und halb sprechsingend, seiner Arbeit zuwendet, die darin besteht, das Geschirr aus der Spülmaschine in das überschäumende Spülbecken umzuräumen und anschließend die Hände im Wasser verschwinden zu lassen.

„Ist das ein Hobby oder so?“, fragt Ari, als sie in Ezras Zimmer ankommen. Sie streckt die Beine auf dem Bett aus, befreit ihre Hände aus den Ärmeln ihres Oversize-Pullis und rührt in der Fünfminutenterrine, während Ezra die Zimmertür hinter sich zuzieht. Schulterzuckend startet er die Playstation, verschmilzt mit seinem Bürostuhl und starrt auf den Bildschirm des Fernsehers. „Ich kann mich nicht erinnern, ihn vor seiner Kündigung jemals selbst spülen gesehen zu haben. Jetzt hört er gar nicht mehr auf.“

Später, zuhause, fragt ihre Mutter, warum sie denn nicht draußen war bei dem schönen Wetter. Ob sie wieder den ganzen Tag mit diesem komischen Jungen gezockt habe, Ilja oder wie der nochmal heißt, und jetzt fährt sie wieder den Computer hoch, das kann doch nicht gut sein, kein Wunder, dass du aussiehst wie ein Gespenst, und triffst du dich eigentlich noch mit Selin, wir haben ihre Eltern heut im Schrebergarten getroffen, sie haben gefragt, warum du eigentlich mit dem Schwimmen aufge- Ari schlägt die Tür zu.

„Selin ist eine Schlampe“, sagt sie und schießt einen Schildkrötenpanzer auf Ezras Wagen, woraufhin sie mit ihrem eigenen auf einer Bananenschale ausrutscht. Ezra hackt auf seinen Controller ein, der schon wieder einen Wackelkontakt zu haben scheint. „Sie war nur nett zu dir, weil-“

„Fuck“, grölt Ezra und startet das Rennen neu. „Das ist unfair sonst. Sorry.“

„Sie ist sogar ne Nutte“, sagt Ari. „Ich hab gehört, dass sie Simon für Geld einen geblasen hat.“

„Und was ist Simon?“

„Außerdem hat sie gesagt, dass du der hässlichste Junge auf der Schule bist.“


Dirk schien verwundert, seinen Sohn zu sehen. Ohne ein Wort schritt dieser auf den Esstisch zu und startete den Laptop. „Hast du nicht gesagt, dass du den ganzen Abend bei Ariane bist? Ist irgendwas vorgefallen?“ „Nein, alles gut, sie war nur schon müde.“

Ezra sah seinen Vater aus dem Augenwinkel eine Tasse vom Tisch nehmen und hörte den Wasserhahn. Sein Handrücken begann zu jucken.

„Willst du was trinken?“ Dirk zündete sich eine Zigarette an und erklärte, als hätte er das noch nicht getan, dass das Gerät endlos langsam sei und ständig hängen bleiben würde. „Ehrlich gesagt, ich hab schon einen… weil ich nicht mehr damit gerechnet hab, dass du dich noch drum kümmerst, schon einen Neuen gekauft. Trotzdem schön, dass du-“ „Ich dachte, die beim Amt meinte, dass du doch erstmal mich oder was weiß ich wen fragen sollst, bevor die Geld für nen Neuen-“

„Hab auf Ratenkauf gemacht“, lenkte Dirk ein, und nach einem kurzen Schweigen: „Bist du traurig, dass sie geht?“

„Warum sollte ich traurig sein? Ist doch super, wenn Menschen, die irgendwohin wollen, irgendwohin gehen.“ Der Startbildschirm erschien und der Laptop stürzte ab.

„Das macht er manchmal.“ Ezra kratzte sich am Kinn und fuhr dabei versehentlich über den schmerzenden Pickel, der vorgestern verschwunden und gestern zurückgekehrt war. Er ging auf das Angebot seines Vaters ein, zum Essen zu bleiben, und bereute es sofort, als dieser sagte: „Ich hab eure Art von Beziehung nie ganz verstanden.“ „Freundschaft meinst du?“ Ezra widerstand dem Drang, die Tomatensauce, die anscheinend ausschließlich aus passierten Tomaten bestand, wieder auszuspucken.

„Ich war mir da nie so sicher. Andere Freunde hast du ja irgendwann nicht mehr mitgebracht. Apropos“, Dirk schluckte, nahm eine neue Portion und fuhr schmatzend und spuckend fort, „wusstest du, dass Kerem in der Stadt ist? Hab ihn heut mit seiner Mutter in der Stadt getroffen, der hat sich vielleicht gemacht. Was ist das denn?“ Ezra stellte fest, dass sein Vater die rosa Quaddeln auf seinem Unterarm meinte, die da eben noch nicht gewesen waren. Er schob den Ärmel seiner Sweatjacke runter und kratze über den Stoff, bevor er antwortete, dass es sich um eine Urtikaria, eine spontane Nesselsucht handle und dass die wieder verschwinden würde. Er ließ aus, dass er das nicht vom Dermatologen, sondern aus dem Internet wusste und dass dort neben der Möglichkeit, dass es nach ein paar Wochen verschwinde, auch die zu lesen war, dass sie bliebe und dass man auf jeden Fall zum Dermatologen damit solle. Was er nicht herausgefunden hatte, war, ob der einen anfassen musste, um seine Diagnose zu stellen. „Die tauchen plötzlich auf, gehen weg und dann tauchen die woanders wieder auf, aber der Arzt hat mir eine Salbe verschrieben. Das kommt vom Stress.“ „Welcher Stress denn schon wieder? Meintest du nicht, dass es gut läuft in der Therapie? Muss ich mir Sorgen machen?“

„Die Nudeln sind gut.“

„Kerem hat gefragt, was du so machst.“

Mittlerweile spürte Ezra Juckreiz an so vielen Stellen, dass er nicht wusste, wo er sich zuerst kratzen sollte und ob das überhaupt noch irgendeinen Sinn hatte. Er stand auf und warf die übriggebliebene Hälfte seines Essens in den Müll. „So was nennt sich Floskel, Papa.“

„Oder Interesse. Ihr standet euch mal so nah.“

Ezra merkte an, dass das vielleicht nicht die passende Bezeichnung für jemanden war, der sich von einem abwendet, weil ihm sein Gesicht zu picklig ist, und spürte Enttäuschung, als seinem Vater dazu nichts anderes einfiel, als dass seine Akne wirklich übel gewesen war, aber das sei ja jetzt zum Glück vorbei.

Wäre er nicht nur zur Hälfte ehrlich gewesen, hätte er sich den zweiten Hauptsatz gespart; es war ja nicht so, dass Ezra nie in den Spiegel schaute. Er hatte zwar zuhause keine Spiegel, aber mit der Frontkamera seines Handys überzeugte er sich regelmäßig davon, dass all das Zeug, das er sich ins Gesicht schmierte, überhaupt keinen Effekt hatte. Vielleicht war es seit dem Ende der Pubertät ein wenig besser geworden, aber zu denen, deren Probleme nach der Schulzeit Platz für neue machten und nicht bloß für zusätzliche eine Stück zur Seite rückten, gehörte er offensichtlich nicht.


„Nicht so rumzappeln, verdammt.“ Ari wedelt mit dem Pinsel des Fläschchens, das sie gerade aufgeschraubt hat, vor Ezras Gesicht herum. Die Flüssigkeit hat denselben blassen Grünton wie ihre spitzen Fingernägel. „Ist das?“ „Concealer“, sagt Ari. „Zum Rötungen neutralisieren, halt den Kopf still jetzt.“

Ezra hebt sein Kinn und rückt auf dem unbequemen Holzstuhl ein Stück nach vorne. Er hört Ari irgendwas von Komplementärfarben faseln, von Grundierung und Fixierung, aber er kann nicht folgen, weil es ihn alle Konzentration kostet, seine Gesichtsmuskeln nicht unnötig anzuspannen, und das Zittern zu unterdrücken, das ihre Hand auf seinem Kopf in ihm ausgelöst hat. Er schließt die Augen, als ihr Gesicht sich nähert. „Alles gut, Ezra?“ „Mh.“ Ihre Schritte entfernen sich ein Stück. „Deine Stirn ist ganz feucht.“

Ezra hört, wie sie das Fenster öffnet. Dann sieht er sie weitere Behältnisse aus ihrer Kosmetiktasche holen und auf seinem Schreibtisch ausbreiten. Die sehen schon eher nach Hautfarben aus als das komische Grün. Ezras Augen verweilen auf einem sehr hellen, aber warmen Braun, das ihn an jene Farbe erinnert, die sich immer im Sommer von Kerems Nacken zu den Schultern über die Außenseite seiner schwabbeligen Arme zieht und an den Innenseiten abrupt endet. In der Grundschule haben sie jeden Sommer ihre Arme aneinandergehalten und Kerem hat Ezra ausgelacht, weil er noch immer nach Winter aussah.

Ezra zuckt zusammen, als etwas gegen seine Hand schlägt, und zieht sie abrupt zurück. Erst dann realisiert er, dass Ari eben nach ihr gegriffen hat. Er murmelt ein „Sorry“, das Einzige, das er unter seinem brüchigen Atem herausbekommt und hetzt zum Fenster, reißt es weiter auf. Er will die ganze Luft, die sich davor versammelt hat und offenbar nicht reinkommen will, in seine überforderte Lunge saugen. Er weiß nicht, warum seine Lunge schon wieder überfordert ist. Seine Hand ist hart geworden.

So stellt er sich leichte Stromschläge vor. Eigentlich tat nichts weh. Doch er würde jetzt gerne rausrennen, irgendwohin, wo keine Menschen sind, die versehentlich mit schwitzigen Körperteilen für Sekunden an einem kleben bleiben oder mit den rauen Stoffen ihrer Jackenärmel beim Aussteigen aus beengten Bussen fremde Hände streifen. Irgendwohin. Stattdessen verschränkt er seine Arme und presst die Hände gegen den Oberkörper, bis sie aufhören, sich zu bewegen. Aber nur die Hände, der Oberkörper zuckt in unregelmäßigen Abständen weiter. Irgendwohin, denkt Ezra. Er setzt sich auf sein Bett und Ari fragt erneut, ob alles gut sei. Ihr Oberkörper steht unbewegt vor ihm und Ezra schaut demonstrativ an ihm vorbei, irgendwohin, damit sie nicht auf den Gedanken kommen kann, dass ihre Brüste verantwortlich wären für das Durcheinander in seinem Körper, das doch schon vor ihren Brüsten da war. Erst, als er versucht, sie nicht anzusehen, fällt ihm auf, dass man durch den Stoff ihres weißen Shirts den dunklen BH erkennt. Ezras Herz schlägt im Takt von: Irgendwohin.

„Ich“, sagt er und hofft, dass Sprechen die Speichelproduktion wieder anregt, „hab noch nicht gefrühstückt. Und schlecht geschlafen. Mir ist nur schwindelig.“

Ari nimmt sein Wasserglas vom Schreibtisch, reicht es ihm und wendet sich dem Chaos auf dem Tisch zu.

„Ich muss mal“, sagt sie, während sie in ihrem Täschchen wühlt. „Streich dir die hier auf die Hand.“ Sie wirft zwei Fläschchen aufs Bett und schreitet aus dem Zimmer. Irgendwohin.

Als sie zurückkommt, hält sie schon wieder einen grünen Gegenstand in der Hand, eine Art Ei, das Ezra nur als Schwamm identifizieren kann, weil er es bereits einige Male im Drogeriemarkt gesehen hat. Sie klopft damit das Zeug, das Foundation heißt, in sein Gesicht und er beißt die Zähne zusammen, bis sie wehtun. „Ich weiß, das dauert“, sagt sie nach bestimmt einer Stunde. Ezra erkennt, dass er den Kontakt mit ihren Fingerspitzen entgehen kann, wenn er von allein darauf achtet, den Kopf gerade zu halten, was durch den zunehmenden Juckreiz in Stirn und Wangen immer schwerer wird. Er versucht, unter den peinigenden Schlägen des Schwamms, an das Danach zu denken; dass niemand mehr über sein Gesicht sagen kann, dass es ein öffentliches Ärgernis und deshalb gesetzeswidrig sei. In dem Moment tritt sein Vater ins Zimmer. Er setzt an zu seiner obligatorischen Frage, ob es hier noch was zum Spülen gäbe, und endet mitten im Satz.

„Wird das hier eine Geschlechtsumwandlung?“, fragt er und stößt kurz und laut Luft durch die Nase aus, vielleicht ein missglücktes Lachen. „Sind Sie interessiert?“, antwortet Ari. Ezra beißt nochmal die Zähne zusammen, und diesmal lacht sein Vater wirklich. „Touché“, sagt er, nimmt die halbvollen Gläser vom Schreibtisch und wünscht im Gehen viel Spaß. Irgendwohin.

Unvorbereitet kriegt Ezra einen Spiegel vor die Nase gehalten, darin jemand, den er nie zuvor gesehen hat. Das ist das Ergebnis, das er sich gewünscht hat. Und trotzdem will er Ari anschreien, dass sie gehen soll, trotzdem sich in eine Decke wickeln und heulen.

Er betastet seine Wangen, die verschwunden sind. Er sieht sein Spiegelbild verschwinden und Ari strahlend in ihrer Kosmetiktasche wühlen. Er antwortet ihr, dass er sich gefällt. Seine Pickel scheinen gegen die Wand aus Farbe zu schlagen wie ein zu mächtiges Herz gegen eine zu schwache Brust, aber seine Angst ist nicht, dass die Wand bricht.

Es ist, als hätte sich eine fremde Haut über seine eigene gelegt, die er noch weniger mag, weil er sie noch mehr fühlt.


Ari drückte zwei nasse Wattepads auf ihre geschlossenen Augen und zählte stumm bis fünfzehn. Die Wimperntusche löste sich, während Ari den Deckel des Mizellenwassers schloss. Die Musik aus der Radio-App mitsummend, entfernte sie das restliche Makeup. Beim Griff nach der Feuchtigkeitscreme blinkte ihr Handy auf.

Als sie den Deckel wieder auf die Dose schraubte, erschien Kerems Name auf dem Display, und die Dose fiel zu Boden. Die Musik lief weiter. Ari legte das Handy zur Seite, ging in die Hocke, verteilte flüchtig mit der einen Hand die weißen Spritzer auf ihren Füßen und behob mit der anderen den restlichen Schaden. Die Radiomoderatorin kündigte überschwänglich James Brown an. ‚This is a man’s world‘, begann dieser gerade, als Ari die Musik abschaltete und Kerem zurückrief.

„Du weißt, dass ich morgen früh umziehe. Fünf Stunden Fahrt. Bitte erzähl mir jetzt nicht, dass du in der Stadt bist.“ „Also haben wir was zu feiern?“

Ari betrachtete ihr zögerndes Gesicht im Badezimmerspiegel. Dann die halbleere Weinflasche auf dem Klodeckel.

„Ich steh gerade ganz zufällig vor unserer Stammkneipe. Ich nehme an, du bist auch ganz zufällig nur zwei Straßen entfernt.“

Grinsend stellte Ari den Lautsprecher an, legte ihr Handy auf die Ablage über dem Waschbecken und griff nach ihrer Zahnbürste. „Was für ein Zufall.“ „Auf ein Bier?“

„Oder zehn“, sagte Ari und legte auf.

Ihr Blick verweilte kurz bei den drei vier Pickelchen, die sich um ihren Mund versammelt hatten, der kleinste eiterte. Den könnte sie ausdrücken, den Rest so lassen und ihre schon leicht fettigen Haare zu einem unordentlichen Dutt verbinden, falls ihr das in fünf Minuten gelang. Manchmal beneidete sie Menschen wie Ezra darum, dass es sie niemals Aufwand oder Zeit kostete, gestresst zu erscheinen, selbst wenn sie gerade gar nichts taten. Aris Haut verriet es zwar, wenn sie wenig geschlafen und wochenlang nicht meditiert oder gezockt hatte, dennoch strahlte sie immer Gelassenheit aus.

Kerem war ihr in diesem Punkt ähnlich. Da er sich nicht früher bei ihr gemeldet hatte, war es wahrscheinlich, dass er den ganzen Tag auf Achse gewesen war, doch nun stand er vollkommen aufrecht mitten auf der unbefahrenen Straße vor der Kneipe und grinste, als habe er eben entdeckt, dass man tatsächlich einen Grund zum Grinsen hat, wenn man nur lange genug das Gesicht verzieht. Sofort fiel alle aufgesetzte Anspannung von Ari ab und sie Kerem um den Hals. Als sie sicher war, dass er die Umarmung genauso ungehemmt erwiderte, drückte sie den Kopf fester in seine Schulter, ihre Wange an seine Dreitagebartstoppeln, und atmete einmal tief durch die Nase. Das Gemisch aus Koffein und unaufdringlichem Schweiß war vertraut, neu der kalte Rauch. Ari hoffte, dass Kerem mit dem Rauchen angefangen hatte, denn sie hatte Lust auf eine Zigarette. Es war ein gutes Zeichen, dass er, trotz des anfangenden Nieselregens, den Hinterhof der Kneipe ansteuerte. Dort setzte er sich an den größten freien Tisch und Ari drehte sich kurz um, um zu prüfen, ob nicht die Gruppe, die eben noch hinter ihnen gewesen war, Anspruch erheben würde, aber sie waren ihnen eben so wenig hierher gefolgt wie die Musik. Kerem frickelte die Folie von einer großen Packung Luckys und schaute Ari dabei an. „Wo hast du den denn ausgegraben?“, fragte er und sie blickte an sich hinab, als wisse sie nicht, was sie trage. Der Gedanke brachte sie zum Grinsen. „Ich hab heute erst den Kleiderschrank ausgeräumt. Du glaubst nicht, was ich außer dem Abschlusspulli noch so alles an altem Kram gefunden habe.“ Sie erzählte ihm von dem Fotoalbum, das Selin ihr in der siebten Klasse zum siebten Jahrestag ihrer Freundschaft geschenkt hatte und dass sie losgeheult habe wie ein Baby. „Du hättest Ezra sehen müssen, wie überfordert der war, der dachte bestimmt, ich drehe durch.“ „Ich kann’s mir vorstellen.“

Ari bemerkte, dass die Flaschen, die der Bar-Typ ihnen gegeben hatte, ungeöffnet waren, und griff nach Kerems Feuerzeug. „Gut möglich, dass ich mich in der Oberstufe kein einziges Mal mehr mit ihr unterhalten habe und auch gut möglich, dass ich heute schon zu viel getrunken habe, aber gerade fehlt sie mir.“ Ari rasselte in etwa denselben Monolog runter, den sie am Nachmittag vor Ezra gehalten hatte, setzte dabei an denselben Stellen Kunstpausen, um zu trinken, und zündete sich am Ende ihrer Rede eine Zigarette an. Kerems Hände, riesig und braun im gedimmten Licht, hatten die ganze Zeit über ruhig auf dem Tisch gelegen; nur wenn Ari trank, griff auch er zu seinem Bier. „Weißt du, Kerem, aus irgendeinem Grund dachte ich immer, dass sie sich zu cool für mich geworden ist. Dabei waren nur ihre Freundinnen zu cool. Erst bei der Abschlussfeier hab ich registriert, dass sie eigentlich niemand leiden kann.“ „Der Scheiß, den du über sie verbreitet hast, wird seinen Teil dazu beigetragen haben.“ „Fick dich, ich war neidisch auf ihren Teint, okay?“

Kerem lachte.

„Immerhin hat sie ihr Ding gemacht.“ Ari reflektierte bei einer zweiten und dritten Zigarette darüber, wie es wäre, die Schulzeit heute nochmal zu durchleben. Mit den Persönlichkeiten, die sie geformt hat.

„Und mit dem Aussehen“, ergänzte Kerem, der etwa seit der achten Klasse kontinuierlich abgenommen hatte, um nach der dreizehnten damit aufzuhören. Die nach den Diäten übrig gebliebene überflüssige Haut, mit der Ari so gern gespielt hatte, war definierten Muskeln gewichen.

„Vielleicht würde ich mich heute aber auch für weniger cool halten“, sagte Ari. „Wusstest du… Ich hab mir voll was darauf eingebildet, als Simon in der Siebten oder so meinte, dass ich nicht so’n typisches Mädchen sei.“ Sie biss sich auf die Wange. „Und letztes Jahr – als ich gerade bei nem Glas Prosecco und als Bridget Jones lief, mir die Nägel rosa lackiert hab natürlich – da hab ich erst gecheckt, dass das gar kein Kompliment war. Gibt’s ne Widerrufsfrist für Dank für missverstandene misogyne Komplimente?“ „Zick doch einfach jemanden an, der nichts dafür kann.“

„Ach, lernst du sowas nicht in deinem Jura-Studium, Kerem?“

„Ich hab abgebrochen.“ „Hä?“

„Das Studium.“

„Danke, Kerem, für die ausführliche Berichterstattung. Und jetzt die Kurzfassung bitte.“

Während Ari ihm die Zigaretten wegrauchte, erzählte Kerem, dass er sich in der Zukunft eher als Visagist denn als Jurist sah. Die Kosmetikerausbildung sei schon eine Option gewesen, als der glatte Einserschnitt im Abitur auf der Kippe gestanden hatte. „Nach Ezras Makeover ist mir aufgefallen, was Schminken für ein geiler Scheiß ist.“

Kerem verschwieg, dass das nur die halbe Wahrheit war und die Reaktionen seiner Freunde auf Ezra ihn damals abgeschreckt hatten. Doch wie er gleichzeitig beeindruckt davon gewesen war, dass Ezras abwehrende Haltung, diese ganze Art, die ihn sonst verschüchtert und seltsam hatte wirken lassen, plötzlich arrogant erschien, zumindest, wenn er gerade nicht mit gekrümmtem Rücken an irgendeine Wand gelehnt stand. Wie er kurz geglaubt hatte, dass ein Kompliment ein wenig was von der Zeit zurückholen könnte, in der sie noch jeden Sommer unsinnigerweise ihre Bräune miteinander verglichen und Ezra noch nicht verlangte, dass er sich mit seinen schwabbeligen Armen verpissen soll. („Wohin?“, fragt Kerem. „Irgendwo-hin“, sagt Ezra.)

Jetzt taxierte Ari Kerems Oberarme und er spannte sie an, aus Angst, sie würden sonst zu Brei zerfallen, wie in den wiederkehrenden Träumen. Die wabbelnde wundscheuernde Haut, die er bloß irgendwohin verlegt hatte, würde ihn wiederfinden, das Blutdruckmessgerät wieder stündlich brummen. Er spürte die Blicke seiner Mitschüler. Und spürte Aris glühenden Handballen auf seinem Handrücken, den Druck ihrer Nagelspitzen auf dem Fett seines Unterarms.

„Kerem.“ „Hm?“ „Kommst du noch mit zu mir?“


Über dem Totenschädel auf der Rückseite des schwarzen Hoodies prangt ein Bandname, der nach dem klingt, was aus Aris Kopfhörern bröselt, während sie sich im Türrahmen zwischen Flur und Badezimmer über ihre nackten Füße beugt. Kerems Blick gleitet von ihren angewinkelten Knien über die schlaffen Oberschenkel zu den geröteten Innenschenkeln, wo, direkt unter dem pinken Slip, eines der Rasierpickelchen gerade zu bluten beginnt. Kurz richtet sie sich ein Stück auf, lehnt sich gegen den Türrahmen, kratzt sich die Schenkel und verteilt dabei das Blut. Dann beugt sie sich wieder vor, um die seltsame Arbeit an ihren Füßen fortzusetzen. Die Haut an den Fersen ist trocken geworden und pellt sich ab. Mit konzentrierter Mine und ruhigen gleichmäßigen Bewegungen löst sie Stück für Stück die tote Haut und wirft sie ins Klo.


Ezra wischte sich den Arsch ab. Der brannte vom mindestens fünfzehnten Kontakt mit dem rauen Papier und es hätte ihn nicht gewundert, wenn sich beim nächsten Mal Blut oder Haut zwischen die nasse braune Masse gemischt hätte. Er würgte. Aber nicht seine schleimigen Exkremente widerten ihn an; jedenfalls nicht so sehr wie die Unfähigkeit, zu sagen, was es eigentlich war. Die Quaddeln füllten jetzt seinen Oberschenkel und er kratzte längs über die Kratzer, die quer sein Bein zierten. Dass Haut zum Schutz da sei, war die größte Lüge, die die Wissenschaft der Menschheit je untergejubelt hatte; und es hat nie einen Protest dagegen gegeben. Obwohl jeder, der nur ein bisschen nachdachte, wusste, dass sie es ist, die Menschen voneinander trennt, dass zumindest niemand sich schämen würde, wenn alle sich in ihrem bloßen Fleisch gegenüberständen. Gut, dann würde vielleicht niemand lange überleben, oder überhaupt leben, doch damit wäre immerhin niemand allein. Ezra schaute auf das Klopapier in seiner Hand, auf dem jetzt nur ein blasser Streifen zu sehen war, und dachte an Regenwürmer. Regenwürmer atmen komplett über ihre Haut. Menschliche Haut kann nicht mal das. Und Schutz hin oder her, sie erwartet eine Gegenleistung. Sie mag ja lebenswichtige Funktionen erfüllen, aber schenkt man ihr zu wenig Aufmerksamkeit, überlässt man sie zu lange sich selbst, gibt sie einen zum Angriff preis. Da könnte man sich wirklich bis aufs Fleisch ausziehen, dachte Ezra, während er sich mit tränenden Augen ein Stück Nagelhaut abbiss.

Eine Dreiviertelstunde später trottete er über den Parkplatz vor Aris Wohnung, vorbei am Umzugswagen, hinter dem ihre Mutter stand und telefonierte. Durch das geöffnete Fenster wehte Musik wie ein kalter Luftzug: ‚I’d like to know completely, what others so discretely talk about.‘ Ari saß auf den Stufen vor dem Haus über ein Buch gebeugt. Die graue flügellose Eule auf ihrem Mittelfinger, mit dessen Gelnagel sie in gleichmäßigen Abständen auf den Buchrücken trommelte, stand Kopf. ‚What do you think I’d see, if I could walk away from me?’ “Ariane, mach den Scheiß aus”, brüllte Aris Mutter.

Ari blickte zu Ezra auf und ließ lächelnd das Buch in ihren Schoß sinken.

„Sag mal, findest du es auch so bescheuert, wie detailliert die Leute in Büchern sich ständig an ihre Vergangenheit erinnern?“

„Rückblenden überspring ich immer.“ „Manchmal hab ich das Gefühl, ich würde dasselbe Buch wieder und wieder lesen.“

Beim Versuch, den Titel des Romans zu entziffern, bemerkte Ezra, dass Aris Beine wie aus verschiedenen Körpern zusammengesetzt schienen: ein fast weißer Strich, da, wo die Hotpants endeten, Blassrosa, das sich von dort zu den gebräunten Fußgelenken zog; und trotzdem sah sie gut aus. Er dachte an die beiden Mädchen im Bushaltestellenhäuschen, auf dem Weg hierher. Mitten im Gespräch hatte die eine laut zur anderen gesagt „Das hab ich dir ja noch gar nicht erzählt!“ und ihr aufgeregt eine Hand auf den Oberschenkel gelegt, wo sie für den Rest der Erzählung liegen blieb; als wäre das nichts.

Er hatte diese Szene nicht zum ersten Mal gesehen, Menschen berührten sich andauernd ohne Grund, umarmten entfernte Bekannte, küssten Leute, deren Namen sie Stunden zuvor schon vergessen hatten, oder prügelten sich. Ari hatte einmal, um ihn aufzumuntern, gesagt, dass die frühen Menschen Waffen sicher nicht erfunden hatten, um Tiere damit zu jagen, sondern um Menschen, die sie beseitigen wollten, nicht anfassen zu müssen.

Sie stand auf und schaltete das Autoradio aus. Dann gingen sie in die Wohnung.

Ezra mochte, wie Kartons sich anfühlten; er hätte nicht sagen können, warum. Aber war einem Anderen beim Umzug zu helfen und tote Bäume für ihn anzufassen nicht ein viel nützlicherer Ausdruck von Nähe als eine Hand auf irgendeinem Körperteil? Nur kam es auf Nützlichkeit nicht an. Ezra wollte Hände auf irgendwelchen Körperteilen. Egal wo, egal welche. Nein, nicht egal. Er wollte – wie in diesem Augenblick Ari und ihre Mutter, während sie in dem Fotoalbum blätterten, das Ari gestern wiedergefunden hatte – mit jemandem Schulter an Schulter stehen. Es war irrsinnig, sich Nacht für Nacht die Hände einer anderen Person vorzustellen, die seine eigenen ins Laken drückten, damit sie die ramponierte Haut nicht immer mehr beschädigten, und Arme, die gerade so viel von der Luft wegdrückten, dass er ruhig atmen konnte, wenn es ihm nicht mal möglich war, mit jemandem Schulter an Schulter zu stehen.


Sie standen sich auf dem Parkplatz gegenüber, sie wahrten den Sicherheitsabstand. Alle Kartons waren an ihrem Platz und Aris Mutter wartete im Wagen.

„Nun“, sagte Ezra.

„Wir müssen uns nicht die Hand schütteln. Weil das für uns beide beschissen ist“, sagte Ari. „Aber“, und sie streckte die Arme ein Stück vom Körper, „willst du es probieren?“

Aris Augen schimmerten. „Ich weiß nicht, was ich sagen soll, Ezra.“

Ihre Lippen zuckten. Dann ihre rechte Wange; ein paarmal, als würde sie Kaugummi kauen.

„Mach’s gut? Wir hören voneinander?“

„Warte.“ Ezra ging einen Halbschritt auf sie zu, blieb stehen, um das Schwindelgefühl wegzuatmen, dann stellte er sich neben sie; die Lücke zwischen ihren Oberarmen war winzig. Er nahm mit der Hand, die nicht neben Aris zuckte, sein Handy aus der Hosentasche. Um irgendwas festzuhalten. Er benutzte beide Hände dafür; bemüht, dass sein Körper nicht so sehr in Wallung geriet, dass sein Arm mit Aris zusammenstieß.

„Fuck“, sagte er fast tonlos.

Ari lachte heiser auf. Sie vergrößerte den Abstand und drehte sich zu ihm um. Sie packte sein Handy, so weit von seinen Händen entfernt wie möglich, und öffnete die Kamera.

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Angekommen

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