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Nach weit weg

VON HANNA//


Bitte biegen Sie links ab. Verlassen Sie nun alles auf den gewohnten Wegen und blicken Sie nicht zurück, das alles ist kein Stück verrückt, behalten Sie nur den Augenblick gut in Erinnerung.


Ade. Und immer geradeheraus. In einer Welt, in der ich alles sein kann, bin ich.


Schalten Sie die Musik an. Sie haben eine Playlist vorbereitet. Wenn Rosenstolz läuft, ist das ein gutes Zeichen. Oder „Let’s Fall in Love for the Night“ von Finneas. Halten Sie überhaupt Ausschau nach guten Zeichen und hangeln Sie sich daran entlang. Das sind die Leitpfosten.


Drücken Sie auf Repeat und fahren Sie so lange im Kreisverkehr, bis Sie nur noch wissen, dass es einen Ort gibt, wo Sie herkommen, nicht wo. Biegen Sie gleich ab. Jetzt. Jetzt.


Sie sehen nun Hauseshäuser vorbeiziehen und Kindeskinder, vom Wind getrieben. Alltagsmenschen. Fahren Sie dem Wind entgegen, dorthin, wo er herkommt.

Fahren Sie vorsichtig in Alleen, die sich neben Flüssen schlängeln, und hinter Lastwagen. Machen Sie das Fenster auf, auch wenn es zieht. Besonders dann.


Bewundern Sie Ortsnamen und benennen Sie die Wunder. Fahren Sie weiter und weiter weg, bis die Postleitzahlen mit Null beginnen und Sie von weit weg kommen.


Und dann noch siebzehn Kilometer weiter. Kehren Sie wenn möglich nicht um. Wir reisen zusammen.


Der Wind ist eine sie, und sie fragt, wer du bist. Denk nicht drüber nach, schrei die Antwort, Wind wird nicht antworten, höchstens schriftlich.


Stockende Tränen zwischen hier und da und bitte folge dieser Straße.


Denk an das Gute, bis dir warm wird und lass das Fenster offen.

Wenn du rausfährst jetzt auf den Rastplatz, nur für eine Postkarte, denn du bist schon weit gekommen, dann ziehen auf einmal all die Kilometer an dir, die du hinter dir angesammelt hast. Sie ziehen an deinen Hosenbeinen und wiegen auf einmal ganz schwer.


Ich weiß, du bist stärker. Schreib eine Frage auf die Postkarte. Kannst du überhaupt entflammen?


Du brauchst einen Sonnenuntergang, vielleicht einen Weltuntergang, mindestens ein Gewitter.


Wenn nichts geschieht, bist du nicht in die richtige Richtung gefahren. Alle Richtungen sind richtig, aber eine ist falsch für dich.


Setz dich wieder in dein Auto, denn es beginnt zu stürmen, dann fahr weiter, A93 Richtung weit weg. Das liegt weit weg und nördlich, aber mehr verrate ich dir nicht; du findest es, wenn du musst.


Und wenn du irgendwann oder nie ankommst, dann nimmst du deinen Mut und deine Jacke und springst aus dem Auto und über Backsteinmauern und Kopfsteinpflaster und lachend und über Dünen und Deichwiesen. Wisse nichts.


Und komm zurück, wenn du weißt, wie weit vorbei ist und wann das Ziehen aufhört und wo der Wind herkommt und wie laut du schreien kannst.


Und dann komm zurück.

Komm.

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