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You cannot fade, you’re a spiral galaxy

VON KATHARINA PEHAM //


Die Bierdosen stehen auf den Tisch neben dem Sofa, wir nehmen uns nicht zu ernst und von einem gemeinsamen Leben wissen wir relativ wenig. Du öffnest die Dose, es ist noch zu bald, sie schäumt über, der Schaum gleitet über deine Finger und schwappt auf mich. Deine Hand wandert zu dem Fleck, der jetzt auf meiner Hose prangt, wir sind ein Mahnmal für Abenteuer, die man sich im Grunde genommen nur in der Jugend leistet. Du fragst, ob ich Astronautin sei, weil mich soviel Weltraum umgebe, ich habe unendliches Nichts in meinem Blick. Ich lege dir meine Finger auf die Lippen, heute Nacht fühlen wir uns schwerelos. Deine Sprache ist ein Raumschiff, ich fliege mit ihr, deine Versprechungen wandern zu meinem Ohr, weiter zu meinem Herz, ich will dir Glauben schenken. Deine dunkelsten Orte will ich erkunden, ich kenne sie noch nicht. Ich will alles von dir wissen, dich ausziehen, dein Körper ist ein Mysterium. Den Pull-Tab ziehe ich von der Dose ab, drehe ihn in meinen Händen und stecke ihn an deinen Finger, denn heute Nacht gehörst du mir.



Du redest über Belangloses und Tiefsinniges gleichermaßen, ich drehe die Bierdose in den Händen. Überlege, welche Knöpfe ich drücken muss, damit das Raumschiff anhält, in dem wir uns geradezu auf ein schwarzes Loch bewegen. Ich möchte dich vorher aus deinem Anzug schälen, because you are a space cowboy, und dein Imperium schlägt zurück.



Wir schmuggeln uns zurück, aus den Galaxien, die wir nicht ausgesprochen haben, sehr wohl aber auf unseren Karten. Die Wahrscheinlichkeit, dass wir heute miteinander schlafen werden ist ziemlich hoch, damit kennst du dich aus. Du kannst gut rechnen und du grinst verwegen, weil du weißt, wie gern ich mit dir noch viel schneller fliegen will, you are good at force speed.

Das Bier ist leer, ich will dich stattdessen austrinken, alles von dir wissen und erfühlen, mein Kopf ist nicht mehr klar, eigentlich will ich dich küssen. Ich schließe meine Augen, warte darauf, dass deine Lippen meine streifen wie ein Blitz. Ein kurzes Blinzeln und ich sehe, dass du spöttisch grinst, langsam bekomme ich Angst vor dir, vielleicht bist du ein Todesstern, der einen ganzen Planeten auslöscht. Nein, du bist ein Millennium Falke, das spüre ich und setze mich auf deinen Schoß, er ist Dejarik-Holospieltisch zum Zeitvertreib, und mein liebstes Zuhause. Ich stecke dir meine Zunge in den Mund, du hast deine ganzen Schutzschilde herabgefahren, du hast auf mich gewartet, ich übernehme deinen Frachter, dein Raumschiff und will mehr.



Heute Nacht will ich dir eine gute Projektionsfläche sein, eine Illusion, jemand, der sich dir ganz und gar hingibt. Ich habe zu viel in der Vergangenheit gesehen, du kannst damit nicht umgehen, in mir all die Schlachten der Alten Republik. Ich will dir sagen, dass ich dich lieb habe, aber heute Nacht geht das noch nicht, denn wir werden erst zu Leia und Han. Du brauchst eine Pause von den Kämpfen in mir, die Kommandozentrale überlasse ich wieder dir. Wir sind ein kalkulierbares Risiko, wenn wir crashen, dann so, dass bloß das Raumschiff kaputt geht und wir verschont bleiben. Das hoffe ich, ich will dir nicht erneut meine Zweifel zutragen.



Du zögerst uns hinaus, redest lieber eine Zeitlang statt mit mir schlafen. Wir erzählen uns in verschiedenen Geschwindigkeiten, wir haben Ionenantrieb, ich lege ein paar Hebel um und mich dazu. Deine Hand wandert rastlos auf meinem Oberschenkel weiter nach oben, ich lache kehlig, wir bewegen uns wieder, schnurgerade auf einen Sprung durch die Lichtmauer zu. Mein Verlangen nach dir ist endlos, ich bin trunken von Macht.



Du magst es, wenn man dich entlang der Wirbelsäule anfasst und deinen Kopf zwischen beide Hände nimmt, ich mag es, wenn deine Hände sich zwischen meinen Beinen verlieren und dazwischen streifst du so ganz zufällig meine Brüste. Dann lachst du nervös, und ich hoffe bloß, bald rieche ich nach dir.



Ich sehe dein Gesicht so gern an, und deine großen, schwarzen Pupillen, du trägst die ganze Spiralgalaxie in dir und ich sehe alle 400.000 Milliarden Sterne. Ich will mit dir auf das galaktische Zentrum zutreiben, wir grenzen an unseren inneren Rand und umfassen uns mit den Händen, schon bald steuern wir in Richtung Hyperraumroute.



Ich bestehe auf Zärtlichkeit und begehre dich hoffnungslos verloren zugleich. Du bist alles andere als eine feindliche Invasion, wir gehen zum inneren Rand, my deep core. You are made of stardust, flüstere ich dir ins Ohr, du grinst und küsst mich, stardust, es ist dein liebstes Projekt. Ich umwickle dich, I know, we are a galactic empire und nichts kann uns in diesem Moment zerstören. Auf deiner Haut spiegelt sich der Jade Mond, meine Finger zeichnen ihn nach.



Wir stellen alle Schlachten nach, Naboo, Concord Dawn, wir kämpfen deine liebste, Hoth. Meine Haut ist der Schnee und die Stille, die am Anfang unserer Begegnung steht, ich bin kühl und warm zugleich. Deine Brust ist ein Hangar, mein Kampfrückzugsort, und dein Herz mein Eisplanet. Ich lasse dich in mich kommen, von vorne, von hinten, von unten, Du sagst, ich soll leiser sein, wir wecken sonst die letzte Truppe der Todesschwadronen. Du wirfst deine Harpunen aus und wickelst sie um mich, damit ich falle, komplett in dich falle, ich bin dein main target, and how much I love your stargaze. Du lässt mir wenig Luft zum Atmen, mein Körper wird zum Vakuum, wir schreien, kämpfen, ziehen unsere Waffen, sind einhundert Blizzards und siebentausendfünfhundert Rebellen zugleich. Deine Zunge ist ein Sternjäger, ich flehe verzweifelt, dass du nicht aufhörst, wir stöhnen und flüchten in die Wolkenstadt. Ich halte dich fest, fester als nötig, ich will keine Gräben mehr zwischen uns, schon gar keine aus Eis, ich will deine gute Hoffnung sein. Wir entfernen uns, werden wieder zwei Personen, diese Schlacht ist verloren, doch unsere ausgeraubten Körper schlafen tief verschlungen ein.



*


Ich bin nervös, als ich aufwache, eine leise Befürchtung, dass ich gehen muss. Du schläfst tief und fest, das bisschen Zeit ist Safe Space. Drehe mich zu dir, sehe, wie dein Brustkorb sich behäbig senkt und hebt, du kannst auch tief fliegen. Deine Mundwinkel zeigen sogar im Schlaf nach oben, du bist ein wahrhafter Schmuggler, ich streichle deine Narbe am Kinn. Noch ist alles vage, aber ich habe zwei Wünsche: Ich will, dass du mich behältst. Ich will, dass du mich erschütterst und liebst. Ich habe Angst, dass beides nicht passieren wird, also flüstere ich dir mein Sehnen und Wünschen ins Ohr, schnell und deutlich, damit sie nicht mehr weggehen.



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